Was ist MVP? Bedeutung und Anwendung

Was ist MVP? Bedeutung und Anwendung

MVP: Bedeutung

MVP bedeutet: Minimal Viable Product. Es ist ein Produkt, dass minmalistisch ist. Es hat kein Gramm Fett zuviel, aber auch nicht zu wenig Fleisch dran. Aufs Online Marketing bezogen ist ein MVP eine Website, eine Kampagne oder ein Funnel die oder der mit minimalsten Mitteln maximale Performance liefert.

Beispiel für ein Online-Marketing-MVP

Ihr Unternehmen oder Ihre Marke hat ein neues Produkt oder Angebot. Sie wollen es unter die Leute bringen: Awareness schaffen, Leads geniereren, Sales anstoßen.

  1. Zuerst brauchen Sie ein Produkt. Wenn es eine digitale Dienstleistung ist, brauchen Sie im ersten Schritt keine fertige Website / einen fertigen Shop mit Shopsystem, Payment, Middlewares und allem Schnickschnack, sondern vielleicht nur eine Landing Page. Dort sehen Interessenten das Produkt / das Angebot und können Kontakt aufnehmen und per Kontakt ordern / anfragen. Mit HubSpot und einem statischen CMS wie Publii lässt sich sowas schnell basteln. Sie brauchen also nur Text und Stockphotos.
  2. Sie wollen diese Landingpage bewerben. Das können Sie mit Native Advertising oder über Google Ads machen. Auch hier genügen ein paar Bilder / Mock-ups. Und ein bischen Budget. Damit testen Sie minimal und innerhalb eines Tages, ob Ihr Produkt am Markt ankommt bzw. ob es Interessenten gibt.
  3. Danach müssen Sie laufend testen: Bei wenig Interesse der Zielgruppen müssen Sie entweder was am Targeting drehen, an der der Sprache, den Bildern oder am Produkt.
  4. Wenn sich herauskristallisiert, dass das Produkt ein Erfolg sein wird, können Sie das MVP weiter ausbauen. Die Skalierung kann allerdings manchmal problematisch sein. Dann ist es besser, sich die Prozesse schon vorher in der Konzeption genau zu überlegen. Denn wenn das MVP in Wahrheit “nur” ein Prototyp war, fängt die Arbeit danach erst richtig an. Es ist immer eine Abwägungsentscheidung, wie groß man loslegt.

Das Gegenteil von MVP: BDUF

Ich komme aus der alten Werbeagentur-Schule und war lange Creative Director, bevor ich freier Texter wurde. Gerade bei großen Kampagnen kommt nach nicht umhin, groß zu denken. An irgendeinem Punkt muss eben der TV-Spot gedreht, die Kampagne geshootet und Media gebucht werden – und alle Kanäle müssen gleichzeitig mitbespielt werden, von TV bis zum POS. Da gibt es einfach Deadlines. Deshalb wird oft (immer noch) BDUF-mäßig gearbeitet: Die große Werbemaschine wird angeworfen, und niemand kann sie mehr stoppen. Und das, obwohl am Anfang noch zu viele Unsicherheiten bestehen.

Das Gegenteil eines MVP ist nämlich Big Design Up Front. Software-Entwickler nennen das Big Design Up Front. BDUF. Also erst das perfekte Design finalisieren, dann die technische Umsetzung. Hat den Vorteil, dass das Design eine Freigabe bekommt. Hat den Nachteil, dass sich jede Undurchdachtheit massiv rächt.

Der Weg zu BDUF: Lang und steinig. Intern werden Schleifen ohne Ende gedreht, fertige Kreativprodukte ausgesiebt und in den Mülleimer geworfen. Das frisst Ressourcen (die der Kunde nicht bezahlt), verschleißt die Leute und bringt keine Erfolgsgarantie, weil zuviel Bauchgefühl drinsteckt. Nach Wochen und Monaten wird dann – vielleicht nach ein bisschen Marktforschung – entschieden, alles gleichzeitig fertig zu machen. Wenn die Kampagne dann floppt: Das ist kein Spaß. Und wäre völlig vermeidbar gewesen, wenn man einfach ab dem ersten Tag in das Testing von Ideen und Funnels investiert hätte, und laufend optimiert.

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Fettes Featuremonster oder leichter Testballon?

Der Ausweg: Minimum Viable Product (MVP).

Vorweg: Minimium Viable Product ist ein Ausdruck von Frank Robinson, ihn bekannt gemacht hat Eric Ries, und das schon 2009 (bzw. 2011 im Buch „Lean Startup“) bzw. auch viel dazu im 2013er Buch „Lean UX“ von Jeff Gotthelf mit Josh Seiden. Also ein alter Hut. Bedenklich für Kreativdienstleister: Erstmals sind Kunden (= Startups) schlauer / weiter als Agenturen.

Arbeiten mit Minimum Viable Products ist der Gegenentwurf: Sich auf eine minimale (und trotzdem vernünftige) Lösung für den Kern der Herausforderung konzentrieren. Mit ggf. roughen Umsetzungen (z.B. Scribble, Paper Prototype, Clickdummy) so schnell wie möglich in den Test (oder Live) gehen und seine Annahmen überprüfen. Akzeptieren, dass das Design noch nicht perfekt ist. Dass nicht alles durchdacht ist. Aber dafür das Produkt jede Woche weiterentwickeln. Aus den Testergebnissen lernen. Das Produkt verfeinern und verbessern. Nicht für die Tonne arbeiten, sondern für den zukünftigen Erfolg. Und dran denken: Sokrates hatte damals auch nicht unrecht mit „Ich weiß, dass ich nicht weiß.“

MVP für den Produkt-Launch.

Ein Unternehmen entscheidet sich, einen neuen Service zu starten, den man übers Internet buchen kann.
Traditionellerweise nimmt man sich ein paar Wochen Zeit, um die komplette Website dafür zu bauen, Kampagnen zu entwickeln und alles bis ins Detail durchzuplanen und abzusegnen. Das volle Paket (im Bild oben links).
Mit einem agilen Ansatz und MVPs geht man ein bisschen demütiger an die Sache dran: Wer kann mit Bestimmtheit sagen, dass das Produkt in dieser Form überhaupt eine gute Idee ist? Das lässt man besser die Konsumenten entscheiden. Und launcht nur eine Landing Page mit Sign-up-Funktion (im Bild oben rechts). Wenn’s die Leute interessiert, werden sie sich registrieren. Wenn nicht: Lieber übers Produkt nachdenken.

Vor welcher Herausforderung stehen Sie? Lassen Sie uns sprechen


Ich bin freier Texter in Köln, arbeite ab und auch in Düsseldorf als Texter und beschäftige mich unter anderem mit (Online-)Marketing.