
Die KI Claude von Anthropic ist nicht so bekannt wie ChatGPT, aber einen Blick wert. Ich mag den eingebauten Datenschutz und vor allem die Output-Qualität. In diesem Artikel stelle ich ein paar Features von Claude vor (z.B. Artifacts mit interaktiven Dashboards oder das Generieren von editierbaren SVG-Grafiken), ein paar Tricks und wie man die API nutzt – über die „Workbench“.
Und direkt ein nicht ganz lustiger Fun Fact am Anfang: Der Screenshot oben zeigt Claude 3.5 Sonnet. Das kam am 22. Oktober 2024 raus. Am 22. Oktober 2025, also genau ein Jahr später, wird das Modell „gelöscht“. Wenn du also einen geschäftlichen / agentischen Workflow auf diesem bestimmten Sprachmodell aufgebaut hast, und mit viel Aufwand getestet hast, hast du Pech gehabt – du musst die Sprachmodell-Version auf eine aktuelle Version ändern. Dadurch ändern sich garantiert die Outputs. Die Testerei fängt von vorne an. Das Problem der gesamten Branche ist nämlich, dass die Anbieter keine „Long Term Support“ (LTS) Versionen anbieten. Das spricht letztlich dafür, dass man als Unternehmen (Open-Source)-LLMs selbst hosten sollte, aber nur dann, wenn man mit der Performance der KI komplett happy ist. Schwierige Entscheidung!
Claude gibts es in zwei „Geschmacksrichtungen“:
- Claude für „Anwender“, also als Chatbot via claude.ai bzw. als App für Windows, Mac und Smartphones – hier musst du für die guten Funktionen ein Abo abschließen.
- Claude für „Entwickler“, also als API mit zugehöriger Testumgebung namens Workbench (bzw. „Claude Console“) – hier zahlst du, was ich extrem angenehm finde, per „Pay per use“ ohne Grundgebühr.
Die Funktionen und Fähigkeiten laufen immer weiter auseinander: Claude.ai ist mittlerweile ein echtes Multitalent inklusive Dateigenerator (bis auf eingebaute Bildgenerierung), während die API in der Ausgabe ziemlich stark auf Text bzw. Code beschränkt ist.
Vorab: Computer Use

Um „Computer Use1“ geht’s auch, ganz unten im Artikel, also das „Fernsteuern per KI“ des Mauszeigers etc. – also RPA zuende gedacht. Computer Use kann man auf dem PC ausprobieren, es ist allerdings „leicht“ unixoid; wenn „Docker-Container“ für dich ein Fremdwort ist, musst du ein wenig mehr Zeit investieren, um sowas zum Laufen zu bekommen.
Vorab: Claude Code
Außerdem, und das finde ich ganz schick, gibt’s noch Claude Code. Das kann programmieren, läuft auf Ubuntu Linux (das versteckt auch in Windows 11 als WSL mitschlummert), läuft über die API (50 Dollar Guthaben sind schnell verbraucht), sieht schlimm nach 1975 aus und funktioniert mal gut, mal schlecht. Im Screenshot ist eine einfache Aufgabe, nämlich einfach nur ein Docker-Projekt zu duplizieren. Spart echt Tipparbeit. Anthropic propagiert zusätzlich, dass du mit Claude Code verschiedene „Agenten“ einsetzen kannst, bspw. einen Programmierhelfer, einen Code-Reviewer etc.

Ganz unten findest du ein interaktives Dashboard, in dem Claude und ChatGPT verglichen werden. Zeitaufwand: Ein paar Minuten. Außerdem findest du ein Beispiel für einen interaktiven Rechner mit PDF-Ausgabe, da kommen wir schon in etwas komplexere Webentwicklung rein. Oder: Die KI-Generierung von 3D-Animationen per Prompt, mit Beispiel.
Sowas selbst basteln: Dauert etwas länger.
Inhalt
- Über den Autor
- Artikel zu ähnlichen Themen
- Claude gibts es in zwei "Geschmacksrichtungen":
- Vorab: Computer Use
- Vorab: Claude Code
- Was ist Claude?
- Wer ist Anthropic?
- Was kann Claude (und was nicht)?
- Was kostet Claude?
- API: Claude hat zusätzlich eine "Workbench"
- Welches LLM steckt in Claude?
- Claude Artifacts im Überblick
- Artifacts: Coole Sache
- Claude hat 3D-Programmierungsskills
- Claude kann Grafiken generieren!
- Claude kann auch interaktive Dashboards erstellen
- Claude kann Flowcharts
- Claude kann programmieren
- Webprogrammierung mit Claude
- Claude kann Computer Use (= RPA deluxe)
Was ist Claude?
Claude ist der KI-Chatbot von Anthropic (claude.ai), der auf den Claude-Sprachmodellen von Anthropic basiert. Claude ist so ähnlich wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Google Gemini. Du kannst Texte, Grafiken und Code generieren lassen, Bilder hochladen und mit „Dokumenten chatten“.
Die Besonderheit: Anthropic wurde von OpenAI-Abtrünnigen gegründet. Speziell Datenschutz und KI-Ethik waren den Gründern beim alten Arbeitgeber zu fishy. Deswegen gilt bei Anthropic, und ich finde das sehr gut:
- Deine Daten werden nicht als Trainingsdaten für die KI verwendet- wenn du es so willst. Du musst dafür die Trainings-Zustimmung aber, wie bei ChatGPT, ausschalten, Mehr Datenschutz ab Werk gibt es, wenn man die API (bzw. die Workbench) nutzt. Denn: Über die API nutzt man Claude mit der „Commercial“-Lizenz!
- Die Outputs enthalten so gut wie nie urheberrechtlich geschütztes Material. Das finde ich extrem wichtig. Im Gegensatz dazu kommt es bei ChatGPT durchaus vor, dass Eins zu Eins Trainingsdaten im Output landen. Üble Sache.
Wer ist Anthropic?
Anthropic ist ein 2021 von den Geschwistern Amodei gegründetes KI-Unternehmen aus San Francisco, das LLMs unter der Marke Claude entwickelt. Man schreibt sich vor allem KI-Ethik auf die Fahne. Die Rechtsform: „Public Benefit Corporation“ nach Delaware-Recht (das ist aber im Grunde nur PR, man muss halt irgendein ein Nachhaltigkeitsziel in den Unternehmenszielen festschreiben. Steuerrabatt gibt’s keinen) und es stecken, wie bei allen bekannten LLMs, natürlich ein paar Milliarden Dollar Investorengelder drin. Man schreibt’s übrigens nicht Antrophic.
Was kann Claude (und was nicht)?
- Claude kann Texte generieren, klar. Die Qualität ist hoch.
- Claude kann lauffähigen Code generieren (wobei der Code-Generator „Build“ von Google Gemini sogar direkt komplette und debuggte Apps erstellt). Allerdings gibt es bei Claude dann wieder eine Schnittstelle zu Figma, womit man dann Figma-Webdesigns „ans Laufen bekommt“. Das ist ziemlich fancy.
- Claude kann Dokumente / Bilder analysieren – mit einem großen Context Window von 100.000 Token (Claude 3.7: 200.000, Claude 4: noch mehr; 1 Million Token sind teils möglich). 1 Token ist ca. ein halbes deutsches Wort (ganz grob gerechnet). Der Blogartikel hier hat um die 4.000 Token (ohne Bilder / Grafiken). Für große Quellcode-Dateien sind 200.000 Token zu wenig – aber auch da hat Claude Lösungen: Erstens wird der Kontextspeicher laufend von altem Kram bereinigt (was blöd ist, wenn der alte Kram wieder wichtig wird), und zweitens gibt es für laufend benötigtes Wissen den Dokumentenspeicher, der als „externes“ Gedächtnis funktioniert.
- Claude kann keine Bilder generieren, dafür aber Grafiken als SVG. Bildgeneratoren lassen sich über MCP einbinden, was leider nicht richtig bequem ist. Andererseits ist Bildgenerierung bei Profi-Anbietern besser aufgehoben, also Adobe, Bria etc.
- Claude kann Office-Dokumente (xlsx, pptx, docx, pdf) bearbeiten und erstellen (ab Max- oder Team-Abo). Bei 30 MB je Datei ist Schluss, also für PowerPoint nicht richtig nutzbar. Wesentlich besser ist da der Microsoft Copilot 365 aufgestellt: Ich habe neulich eine 130-MB-Powerpoint, in meinem Sharepoint liegend, in Copilot reingekippt (sie enthält viele Videos), und Copilot hat sie sehr gut zusammengefasst – in einer neuen Powerpoint. Ausgelesen wurden nur die Textinhalte, aber das ist OK. Microsoft kann also mit riesigen Office-Dateien besser umgehen, was kein Wunder ist, und eigentlich wäre das für jeden KI-Anbieter simpel – denn eine PPTX-Datei ist a) nur eine ZIP-Datei (ändere mal die Dateiendung…) und b) enthält sie Texte in Form von XML-Daten, die von KIs super verstanden werden.
Allerdings lassen sich mit Claude Excel-Dateien verformeln, inklusive Datenvisualisierung. Ebenfalls lassen sich Daten aus einem PDF rausziehen, analyiseren und in eine Excel packen, womit dann Datenanalyse recht einfach möglich ist. Beachten musst du, dass alle Daten in der Cloud landen. Denke also darüber nach, mit Dummy-Daten eine Master-Excel bauen zu lassen.
Oder gewöhne dich an Copilot 365 – da kommt die Claude-Unterstützung bald - Claude kann nix mit Voice, das sind ChatGPT und Gemini weit vorn
- Claude surft auf Wunsch im Internet
- Claude hat im Gegensatz ChatGPT keine Fremdanbieter-Plugins, aber dafür das viel wichtigere MCP.
Was kostet Claude?
- Kostenloser Tarif: Hier kostet Claude nix. Der Feature-Umfang ist teilweise so hoch wie bei ChatGPT Plus. Genial! Allerdings will Anthropic von dir deine Telefonnummer. Wenn du ins „Rate Limit“ läufst: Nach fünf Stunden steht der Zähler wieder bei Null und du kannst weitermachen.
- Pro-Tarif: € 18,- im Monat zzgl. USt. Da kann man mehr Anfragen stellen als die Gratis-Nutzer, (Office-)Dokumente erstellen / bearbeiten lassen, und man kann „Projekte“ anlegen. Allerdings haben Projects auch RAG-Elemente, also einen „Projekt-Wissensspeicher“. Top!
- Max: 100 oder 200 Dollar im Monat. „Teure“ Abos sind in Mode.
- Claude for Work: Team- und Enterprise-Angebote. Team kostet $ 30 im Monat je Nutzer (bei monatlicher Nutzung(, wie ChatGPT Team auch. Mindestabnahme sind 5 Lizenzen im Monat, bei ChatGPT sind es zwei. Enterprise ist Verhandlungssache.
- API: Die Kosten für die API sind ähnlich wie bei Open AI, also nicht teuer. Claude kannst du auch über Amazon Bedrock oder Google Vertex AI (bzw. im Model Garden) nutzen.
API: Claude hat zusätzlich eine „Workbench“

Unter https://console.anthropic.com kannst du die Anthropic-Claude-LLMs als Claude Console als „Pay per Use“ nutzen. Eigentlich ist das für Entwickler gedacht, die die API ausprobieren wollen.
Ich nutze die „Workbench“ oft, wenn ich nur Standardkram brauche. Damit kommt man schnell an exzellente Ergebnisse. Allerdings: Zur Nutzung musst du Guthaben hochladen. Für 10 Dollar Guthaben kommst du sehr, sehr weit. Das kann Monate reichen (oder ein paar Minuten).
Zur Erläuterung des Screenshots:
- System Prompt: Das Vorprompting, z.B. „You act as…“
- User: Dein Prompt. Genial: Die Funktion „Generate Prompt.“ Da wird dir ein Prompt generiert. Oder lies mal in meinen Artikel zum Prompt Engineering rein.
- Über „Add Message Pair“ kannst du komplexere Dialoge anlegen (oder Nutzerverhalten simulieren), das brauchst du erstmal nicht.
- In {{ }} kommen Variablen. Beispiel: Du baust eine KI-App. Der User soll ein Textfeld für Input bekommen, das ist dann die Variable. Ein Prompt kann so aussehen: „Schreibe einen LinkedIn-Post mit max. 50 Wörtern zu diesem Thema: {{Thema}}.“
Durch das Abspeichern dieses Gesamt-Prompts sparst du dir Tipp-Arbeit, da jedesmal nur den Inhalt der Variable ändern musst, und du könntest eine echte (Web-)App daraus bauen (oder ein Batch-Script oder sowas). Dafür ist dann der „Get Code“ Button da, der spuckt dir dein „GPT“ als Python aus, das du u.a. in HuggingFace mit einem Gradio Notebook verheiraten kannst. - Der Button mit den Einstell-Reglern bietet die Auswahl des Sprachmodells (z.B. Sonnet oder Opus), die Möglichkeit der Einstellung der „Temperature“ (0 ist sachlich, 1 ist kreativ), und die maximale Token-Anzahl.
- Zusätzlich gibt es noch Tools, um z.B. Echtzeitdaten zu integrieren (Wetter, Börsenkurse) – ist aber bastelig
- Mit „Run“ startest du die „App“.
Kannst du mit der Anthropic Claude API Bilder generieren? Jein. Also keine direkt sichtbaren Bilder.
Du kannst dir aber den Code für SVGs generieren lassen. Prompt: „Du bist ein SVG-Programmierer…“. Das funktioniert!

Zum Ansehen musst du den Code in die Zwischenablage kopieren, ein leeres Dokument erstellen (z.B. Notepad), und die Datei als .svg abspeichern. Die meisten Grafikprogramme – oder auch Browser – bekommen die Datei auf. Die Grafik sieht dann übrigens so aus:

Ein bisschen Basic, ja, aber stelle dir einen PPT-Chart-Generator in deinem Intranet vor… vorgepromptet auf deine Unternehmensfarben und Schriftarten etc.
Welches LLM steckt in Claude?
Anthropic hat eigene KI-Sprachmodelle (LLMs), nämlich die Claude-Serie. Die wichtigsten LLMs sind:
- Haiku: Haikus sind kurze japanische Gedichte. Claude Haiku ist folglich die schnelle KI, die dafür allerdings nicht so viel kann.
- Sonnet: Das ist das Midrange-Sprachmodell. Ich finde das sehr gut und nutze es gern. Claude 3.7 Sonnet vom 19.02.2025 ist ein modernes (und langsames) Reasoning-Modell, das immer zuerst – auf Wunsch – einen Denkschritt macht und dann das Ergebnis präsentiert. Ende Mai 2025 kam Claude 4 Sonnet, das im Idealfall besser ist. Ende September 2025 war der Release von Claude Sonnet 4.5 mit noch mehr Optimierungen fürs Coding.
Bei den Token verhält sich 4.0 anders als 3.7: 3.7 kann 200.000 Token, die man recht frei für Input und Output verteilen kann. So ist es möglich, einen Input von 120.000 reinzugeben (= großes PDF), muss dann den Output aber selbst limitieren, damit die Gesamttokenzahl unter 200.000 bleibt. Bei Sonnet 4.0 sind die Outputtoken auf 64.000 (statt bisher 128.000) begrenzt, was in Grenzfällen weniger Fehler produziert – aber auch die Möglichkeiten einschränkt. - So macht sich Sonnet 4: Die Ergebnisse sind deutlich anders als bei Sonnet 3.7. „Gefühlt“ hält sich Sonnet 4 bzw. Sonnet 4.5 stärker an die Vorgaben im Prompt, während Sonnet 3.7 menschliche Prompt-Unschärfen mild korrigiert.
- Opus: Das ist das „fette“ Sprachmodell. Die Kosten für die API-Calls sind höher, und die Ergebnisse nicht unbedingt besser als mit Sonnet. Seit Mai 2025 gibt es Opus in der Version 4. Mit 32.000 Token ist es für komplexere Aufgaben nicht ausreichend.
Claude Artifacts im Überblick
flowchart LR
A[Claude Artifacts] --> B[Code]
A --> C[Dokumente]
A --> D[Grafiken]
A --> E[Webinhalte]
B --> B1[Python]
B1 --> B1a[Datenanalyse]
B1 --> B1b[Machine Learning]
B --> B2[JavaScript]
B2 --> B2a[Frontend-Logik]
B2 --> B2b[Node.js Backend]
B --> B3[Andere Sprachen]
B3 --> B3a[Java]
B3 --> B3b[C++]
B3 --> B3c[Ruby]
C --> C1[Markdown]
C1 --> C1a[Dokumentation]
C1 --> C1b[README Dateien]
C --> C2[Plain Text]
C2 --> C2a[Skripte]
C2 --> C2b[Konfigurationsdateien]
D --> D1[SVG]
D1 --> D1a[Logos]
D1 --> D1b[Icons]
D --> D2[Mermaid Diagramme]
D2 --> D2a[Flowcharts]
D2 --> D2b[Sequenzdiagramme]
D2 --> D2c[Gantt-Diagramme]
E --> E1[HTML]
E1 --> E1a[Statische Webseiten]
E1 --> E1b[E-Mail-Templates]
E --> E2[React Komponenten]
E2 --> E2a[UI-Elemente]
E2 --> E2b[Interaktive Dashboards]
style A fill:#f9f,stroke:#333,stroke-width:4pxArtifacts: Coole Sache
Artifacts von Claude sind quasi editierbare Outputs, die rechts neben deinem Chat erscheinen.

Du willst was am Output ändern? Tippe links deinen Prompt ein, und rechts erscheint dann die neue Version. Dadurch wird die Input-Ebene von der Output-Ebene getrennt, und das macht das Arbeiten sehr angenehm. In diesem Beispiel steht dann rechts das Ergebnis, und wenn Claude Erläuterungen dazu hat, stehen sie links.
Claude hat 3D-Programmierungsskills
Diese 3D-Animation (mit Interface) einer „Eisdiele“ kommt von Claude: Claude wählt die passende JavaScript-Bibliothek aus (three.js) und codet alles. Den Code habe ich speziell anpassen lassen, damit er per Copy & Paste in WordPress funktioniert. Außerdem habe ich eine Textur für die Eiswaffel integrieren lassen (in der Alpha-Version war’s eine echte Textur, in der Beta hat Claude das durch Mesh ersetzt), das Setzen eines Lichtspots, einen Reset-Button etc. Coding-Aufwand: Null. Das funktioniert Out-of-the-Box. Klar, ein paar Iterationen stecken drin. Claude beherrscht übrigens auch die Kunst des Debuggens, Fehler beheben klappt meistens.
Claude kann Grafiken generieren!
Claude kann nicht malen (wie ChatGPT), aber zeichnen – das finde ich wesentlich wertvoller! Ich habe Claude gebeten, eine Infografik Claude vs. Chat GPT zu erstellen.
Interessant: Claude „programmiert“ im Hintergrund eine SVG-Datei.

So sieht das Ergebnis aus:

Die Grafik ist schick, allerdings vergleicht sie Äpfel mit Birnen.
Dieses Feedback kann man in Artifacts einprompten:
„Ändere die Grafik: Vergleiche Features 1:1“
Was passiert? Claude zeichnet die Grafik neu und macht den Vergleich deutlich besser.

Doch halt! Da fehlt was. Claude vergisst zu erwähnen, dass es SVGs generieren kann. Und ChatGPT hat sowas wie Artifacts, nämlich Canvas.
Der Verfeinerungs-Prompt: „Nehme in den Vergleich „ChatGPT Canvas“ mit auf. Und erwähne, dass Claude Grafiken in Form von editierbaren SVGs erstellen kann“

Naja. Die Infos zu Canvas sind leicht extemporiert.
Diese „Artifacts“ lassen sich per Link teilen – werden aber irgendwann von Anthropic gelöscht. Dadurch eignen sich Artifacts nur als Spielkram, nicht als dauerhaft produktiv nutzbare Tools.
Claude kann auch interaktive Dashboards erstellen

Wenn du den Code dafür runterlädst: Es ist eine .tsx-Datei (TypeScript) und basiert auf React.
Claude kann Flowcharts
Die Flowchart-Generierung mit Claude läuft über Mermaid. Das ist höchst elegant, da Mermaid eine simple, menschenlesbare Scriptsprache für Flowcharts ist – und die Einbindung in Websites klappt (in WordPress recht einfach via „MerPress“ Plugin).
Beispiel: Dieses Flowchart erklärt, wie die Artifacts von Claude funktionieren:
graph TD
A[Systemprompt] -->|Definiert Regeln für| B[Claude AI]
B --> C{User Prompt}
C -->|Erfüllt Artifact-Kriterien| D[Erstelle Artifact]
C -->|Erfüllt keine Artifact-Kriterien| E[Normale Antwort]
D --> F[Generiere Artifact-Inhalt]
F --> G[Vorschau des Artifacts]
G --> H{Benutzer zufrieden?}
H -->|Ja| I[Finales Artifact]
H -->|Nein| J[Benutzer gibt Feedback]
J --> K[Editiere Artifact basierend auf Feedback]
K --> G
I --> L[Artifact kann weiter genutzt/editiert werden]Supercool: Der „generierte Code“ ist mit Mermaid extrem kurz.
graph TD
A[Systemprompt] -->|Definiert Regeln für| B[Claude AI]
B --> C{User Prompt}
C -->|Erfüllt Artifact-Kriterien| D[Erstelle Artifact]
C -->|Erfüllt keine Artifact-Kriterien| E[Normale Antwort]
D --> F[Generiere Artifact-Inhalt]
F --> G[Vorschau des Artifacts]
G --> H{Benutzer zufrieden?}
H -->|Ja| I[Finales Artifact]
H -->|Nein| J[Benutzer gibt Feedback]
J --> K[Editiere Artifact basierend auf Feedback]
K --> G
I --> L[Artifact kann weiter genutzt/editiert werden]
Und noch besser: Das Flowchart ist – weil es nur Text ist – supereinfach editierbar.
Claude kann programmieren
Im Artikel über Chat GPT Plus vs Team habe ich einen Chat GPT Lizenzkostenrechner drin.
Den hat Claude erstellt. In HTML & JavaScript. Als echte No-Code-Lösung, die ich einfach per Copy & Paste hier ins WordPress integriert habe. Der Rechner hat eine nicht ganz triviale Logik integriert und funktioniert fehlerfrei.
Klar, das ist natürlich eine simple Anwendung, aber Claude ist für ein MoE-LLM (Mixture of Experts) sehr fit. Im Netz findest du viele weitere Coding-Beispiele von Claude, unter anderem HTML5-Spiele und solche Sachen.
Spezielle Coding-LLMs wie Codestral von Mistral haben dennoch ihre Daseinsberechtigung.
Und wie oben gesehen, gibt es ja auch noch Claude Code.
Ich habe mir – unter Mithilfe von Claude 3.7 und mit Claude Code – ein KI-RAG-System bauen lassen (als lauffähige Demo, aber nicht als komplettes echtes Produkt). Das ist komplex, da viele Komponenten über APIs verbunden werden. Mit Claude 4.5 würde das schon viel besser funktionieren, und die nächste Stufe sind dann direkt lauffähige Apps.

Webprogrammierung mit Claude
Claude kann dir jeden möglichen Web-Kram generieren:
- Rechentools
- Mehrstufige Formulare (mit PDF-Generator, oder mit Übergabe an HubSpot o.ä.)
- Konfiguratoren
Und vieles mehr. Probier’s mal aus. Vorteil Claude: Inhaltlich hat das alles Hand und Fuß.
Claude kann Computer Use (= RPA deluxe)
Was ist „Computer Use“? Computer Use bedeutet in diesem Fall, dass die KI Claude den Computer bedient – per Maus und Tastatur. Um zu „sehen“, macht Claude zwischendurch Screenshots und liest sie aus (OCR). Die KI wird damit zum Roboter, und ist in der Lage, Prozesse zu automatisieren. Das nennt man dann „Robotic Process Automation“ (RPA).
„Klassische“ RPA funktioniert mit „einfacher“ KI, da werden dann bspw. in eingescannten Belegen Muster erkannt – Ist eine IBAN drauf? Dann wird sie ausgelesen – und dann via Schnittstellen / APIs aufbereitet und automatisiert. Solche Automatisierungen erfordern Gehirnschmalz, da die Prozessschritte definiert und programmiert werden müssen, und die genutzten Softwares brauchen Schnittstellen (zur Vertiefung: Schau bei Make, Zapier, Power Automate und UiPath rein).
Mit generativer KI wird sowas total einfach: Du musst dich nicht mit Schnittstellen herumschlagen. Stattdessen nutzt die KI das „Human Interface“, denn das funktioniert immer.
So geht’s: Du gibst einen Prompt ein, und dann übersetzt und zerhackt die KI deine Wünsche in a) Prozessschritte, b) in verstehen „Was sehe ich auf dem Bildschirm“ und c) in „Ich nutze den (virtualisierten) Computer mit Augen, Maus und Tastatur, um Programme / Browser zu nutzen & die Aufgabe zu erledigen“.
Diese Animation veranschaulicht das:
Die Animation hat natürlich Claude für mich programmiert. Und Claude hat dabei RPA angewendet: Die KI hat verstanden, dass das Feld „Bestellmenge“ im Kundenportal mit der Zahl 2.000 gefüllt werden muss. Das bedeutet, dass du auch ohne „Computer Use“ die API von Claude wunderbar für RPA verwenden kannst.
Nachteile: Das ist alles Beta, funktioniert nicht richtig, und ist nicht von Laien nutzbar. Das ist eher eine Technologiedemo.
Du kannst es selbst installieren, die erste Hürde ist allerdings: Du brauchst Docker.
- „Computer Use“ ist de facto ein Linux in einer virtuellen Maschine (auf deinem Rechner), die von deinem Prompt gesteuert wird
- Du öffnest dann Computer Use im Browser.
- Du gibst ganz normal deinen Prompt ein.
- Im Fenster daneben siehst dann (dank VNC) den Bildschirm des Linux-Computers
- Um sich in der „Welt“ zurechtzufinden, macht Claude Screenshots – und liest jeden Screenshot aus. In der Cloud.
- Was dann z.B. geht: „Gehe ins Internet, suche mir Sachen raus, schreibe mir daraus eine Zusammenfassung und lade das als Textdokument / als Exceldatei in Google Drive hoch“
- Das System funktioniert besser, wenn man Hilfestellungen gibt: Man kann den Browser der virtuellen Maschine auch selbst bedienen, um die ersten Cookie-Banner wegzuklicken oder sich in Google Docs einzuloggen. Die KI tut sich damit „etwas“ schwer.
- Besonders talentiert beim „Surfen“ ist die KI noch nicht, sie klickt bei Google auch auf Werbebanner – und da die oft Clickbait sind, verbergen sich dahinter keine relevanten Infos (oder ein Leadgenerierungs-Flow, der uns auch nix nützt)
Klar, wirst du dir sagen, das bisschen Copy & Paste bekommt der Mensch ja auch hin. Aber jetzt rechne das mal auf eine Verwaltungsorganisation hoch, in der 5.000 Leute arbeiten.
Stelle dir mal all die Sachbearbeiter-Jobs, in denen Daten aus Dokument A gefunden, aufbereitet und in Software B übertragen werden müssen.
Solche Jobs kannst du Stand heute – teilweise – an die KI abgeben und gehst in der Zeit Kaffee trinken.
Fazit
Claude von Anthropic kann viele Sachen echt gut. Ich nutze es gern, gerade in der Kombination mit der einfach zu bedienenden Workbench. Fremd-GPTs fehlen, klar. Und die Bildgenerierung auch. Dafür nehme ich ohnehin lieber Bria.ai o.ä.
Über den Autor
Stefan Golling, Köln. Seit 2011 unterstütze ich freiberuflich Unternehmen bzw. Agenturen mit kreativen Ideen, Konzepten und (textlichen) Umsetzungen rund ums (Online-)Marketing. Vorher: 1998 mit Radiowerbung in Stuttgart gestartet, 2000 als Junior-Werbetexter zu Publicis München, 2001 Counterpart Köln, 2002 als Copywriter zu Red Cell Düsseldorf (heißt heute Scholz & Friends), dort ab 2007 Creative Director.
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